Manchmal werde ich gebeten, in Kindergärten mit Kindern zu töpfern. Das ist mir wichtig, um dem Konsumstreben, Fernsehen, Computer etwas entgegenzuhalten, was vielleicht ihr Leben auch für später prägt, so dass sie Eigenes, Schönes, Individuelles in sich selbst finden können.
Einmal wollten wir eine hohe Säule aus Kacheln bauen. Wir hatten eine Woche Zeit dazu. Jedes der 75 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren bekam von mir eine Platte aus weichem, feuchtem Ton. Darauf sollten sie ihr eigenes Gesicht oder ihr Lieblingsspielzeug modellieren. Ein Kind legte über sein Gesicht Stäbe. Ich fragte, was das denn sei? Die Antwort: "Das siehst Du doch, ich bin im Gefängnis." Ich erschrak und fragte: "warum bist Du im Gefängnis, Du bist doch so ein netter Junge. Ich mag Dich, das verstehe ich nicht!" Er antwortete: "Das verstehe ich auch nicht, aber es ist so und da gehöre ich hin".
Ein weiterer Junge. Die Erzieherin sagte, dass sich dieser Junge immer beim Basteln und Malen verweigern würde. Er malte grundsätzlich Häuser mit einem runden Dach. Zuhause wurde er getadelt, dass dies falsch sei, ein Dach sei spitz, er malte weiter runde Dächer, darauf der Kommentar: "Du bist zu blöd", darum seine Verweigerung. Nach vier Tagen kam der Junge ganz vorsichtig zu mir: "darf ich auch eine Kachel machen?", "Ja klar," war meine Antwort. Natürlich modellierte er sofort ein Haus mit rundem Dach. Ich sagte ihm, dass ich sein Haus wunderschön fände und am liebsten darin wohnen möchte. Ich glaube, dass ich noch nie in ein glücklicheres Gesicht gesehen habe. Daraufhin kreierte er ein Haus mit rundem Dach nach dem anderen. Viele solcher Erlebnisse in einem Kindergartenalltag könnte ich noch erzählen. Es sind für mich bedeutende Erlebnisse.
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